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Zwischenruf: Rentner, Tango und Regierung
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Alles Tango, oder was? Ein Gastbeitrag von Lea Martin

9. Juli 2020
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Mein jüngster Text in diesem Blog http://kroestango.de/aktuelles/zwischenruf-rentner-tango-und-regierung/ hat die Autorin Lea Martin auf den Plan gerufen, die gemeinsam mit Laura Knight die Interviewreihe betreut, in der auch “Wir tragen so viel bei zu einer weltoffenen Gesellschaft” erschienen ist. Dass es sich bei der Gesprächspartnerin Caroline Waldeck um die Redenschreiberin von Kulturstaatsministerin Monika Grütters handelt, ist zwar keine Geheime Verschlusssache. Aber ich sag mal vorsichtig: Vielen war es nicht bekannt – bis zu meinem Text. Zu den “unwissenden” zählte auch Lea Martin.  Dieser Umstand hat sie zu einem ebenso zornigen wie grundsätzlichen Gastbeitrag veranlasst.  Andere sehen es anders, wie in meiner Kommentarspalte (und auf Facebook) nachzulesen ist. Weitere Stimmen veröffentliche ich gern. Mit meiner Antwort warte ich noch ein wenig.

Die Idee zu »Tango in my Heart« entstand aus dem Wunsch, die Corona-Zeit durch kleine Interview-Portraits zu überbrücken. Seit jeher entsteht Literatur aus dem Wunsch, mit Erinnerungen und Worten langweilige Zeiten zu füllen. Zu den wundervollsten Worten, die in deutscher Sprache gefunden wurden, gehören die Gedichte von Rose Ausländer. Als ich eines ihrer Gedichte in dem jüngsten Interview mit Caroline Waldeck fand, war ich zutiefst berührt und habe mich sehr verbunden gefühlt: mit Caroline, mit Laura Knight, die sie interviewt hat, und mit allen, die Tango tanzen. Das schafft Lyrik. Das schafft Tango. Ein Gefühl von Verbundenheit herzustellen. Dieses Gefühl kann sich wunderbar anfühlen, aber es ist auch manipulierbar.

Als ich erfahren habe, dass Caroline Waldeck für Prof. Monika Grütters arbeitet, habe ich mich schlagartig nicht mehr verbunden gefühlt — und das nicht, weil ich Monika Grütters nicht schätzen würde. Ich schätze sie sogar sehr. Zwar kann ich ihre Arbeit nicht wirklich beurteilen, aber ich mag ihr couragiertes, authentisches Auftreten und wünsche mir mehr Menschen von ihrem Format in der Politik.

Was ich nicht mag, ist, dass Caroline in ihrem Interview verschweigt, dass sie für jemanden arbeitet, die als Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien auch für die Unterstützung der Kulturschaffenden in diesem Land zuständig ist,  zu denen die Tango-Profis gehören. Ich weiß nicht, warum sie es verschwiegen hat, und es interessiert mich auch nicht.

Die Begründung, die sie dem Berliner Journalisten Thomas Kröter auf Nachfrage gegeben hat, ist allerdings ärgerlich. Sie behauptet, genau das sei ja das Schöne am Tango: dass er nicht nach dem Beruf fragt, sondern seine Umarmung allen gilt, egal, welchen Job sie ausüben. Das ist ihre Antwort auf die Frage,  warum sie ihre Tätigkeit für die Kulturbeauftragte der  Bundesregierung in einem Interview verschweigt, das kein intimes Date ist, sondern veröffentlicht wird.

Die Reihe »Tango in my Heart« wird auf dem Blog »berlintangovibes« von Laura Knight publiziert und bei Facebook geteilt. Sie ist für die Öffentlichkeit bestimmt, die Zahl der LeserInnen ist deutlich größer als mein oder Lauras privater Freundeskreis. Durch ihren Job ist Caroline eine in der Öffentlichkeit stehende Person. Sie weiß, was ein Interview ist und kennt die journalistischen Spielregeln.

Ihr Engagement für die Tango-Profis mag ehrenwert sein, aber ich sehe es in einem vollkommen anderen Licht, seit ich weiß, was sie beruflich macht. Nicht in jeder Veröffentlichung spielt der Beruf der Menschen, mit denen wir sprechen, eine Rolle. Aber im Interview frage ich danach, weil ich den Kontext brauche, um Vertrauen aufzubauen. Erst vertraue ich, dann vertrauen die LeserInnen. So funktioniert das mit Interviews, für
mich jedenfalls. Ein Interview ist keine Blase im luftleeren Raum, ebenso wenig wie Tango.

Ich habe die Interview-Reihe nicht ins Leben gerufen, um möglichst geschliffene Textbausteine zu produzieren, sondern um etwas von der ungeschliffenen Realität einzufangen. Bewusst befragen wir Tango-Profis und Amateure, weil sie alle zusammen die Tangoszene bilden. KulturpolitikerInnen sehe ich nicht in der Reihe, so sehr sie den Tango (als Privatpersonen)
lieben mögen. Sobald sie sich öffentlich äußern, ist Schluss mit privat.

Eine öffentliche Person ist eine öffentliche Person, und wenn sie sich gegenüber jemandem äußert, die oder der das nicht weiß, muss sie es sagen. Das ist ein Gebot der Höflichkeit und des Anstands. Die LeserInnen unserer Interview-Reihe müssen darauf vertrauen, dass sie erfahren, ob sie es mit einer öffentlichen Person zu tun haben. Bei dem Interview, das Laura mit Caroline geführt hat, war ich nicht dabei, und weiß also nicht, wieso der Beruf ausgespart blieb.

Wäre das ein Fehler gewesen, hätte man ihn leicht korrigieren können. Doch es handelt sich nicht um einen Fehler, sondern um einen bewussten Akt. Als Begründung muss der Tango herhalten, nach dem Motto »Alles Tango, oder was?«. Das finde ich nicht fair. Und es tut mir weh. Hier wird der Tango benutzt, um sich aus der Affaire zu ziehen. Die Umarmung im Tango gilt nicht der Lüge, sie gilt nicht dem Verschweigen wesentlicher Wahrheiten in einem Interview. Die Umarmung im Tango ist eine Art von Vertrauensvorschuss, der verspielt werden kann. Wer ihn verspielt, mit dem tanzt du nie wieder. Vertrauen ist das Wichtigste zwischen
zwei Menschen, auf dem Parkett und bei einem Interview.

Ich bin Thomas Kröter dankbar für seinen wachen Blick und eine Recherche, die von uns
(Laura und mir) hätte kommen müssen. Journalistische Sorgfaltspflicht ist keine Schrulle von Rentnern, auch wenn Thomas das — sein Licht unter den Scheffel stellend — liebenswürdigerweise so darstellt. Und Aufrichtigkeit ist ein hohes Gut, gerade wenn sich Menschen so nahe kommen wie in einem Interview — das viel mit Tango gemein hat, denn es entsteht aus einem Dialog der Offenheit und des Vertrauens. »Tango in my Heart« wird den Faux pas verschmerzen. Weh tut er trotzdem, mir jedenfalls.

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Thomas
Thomas

4 Comments

  1. Gerhard Riedl sagt:
    9. Juli 2020 um 18:37 Uhr

    Meinen großen Respekt für diese Stellungnahme!

    Antworten
  2. Marlies Derendorf sagt:
    9. Juli 2020 um 20:02 Uhr

    Als Journalsten solltet ihr die presserechtlichen Vorgaben kennen. Nur weil jemand für eine Kulturstaatsministerin arbeitet, ist man noch lange nicht eine Person des öffentlichen Lebens. Ich schäme mich für euch beide.

    https://www.deutschejournalistenakademie.de/journalismus-lexikon/person-des-oeffentlichen-lebens/

    Antworten
    • Gerhard Riedl sagt:
      9. Juli 2020 um 21:38 Uhr

      Na ja, die beiden brauchen sicherlich fürs Schämen keine Doubles.
      Im Übrigen hat Lea Martin nicht von „Person des öffentlichen Lebens“ (oder besser „Person der Zeitgeschichte“) gesprochen, sondern von einer „öffentlichen Person“.
      Gut, Caroline Waldeck ist wahrscheinlich juristisch keine „Person des öffentlichen Lebens“. Dann genießt ihr Privatleben Schutz. Aber genau über das berichtet sie ja selber! Und ihr Beruf ist öffentlich bekannt – den kann man im Internet auf zahlreichen Seiten finden.
      Lea Martin behauptet ja auch nicht, dass man rechtlich gezwungen wäre, den Beruf der Interviewpartnerin zu nennen. Sie hätte es halt besser gefunden. Ich auch. Wenn sich ein großer Teil des Interviews mit einer Sache befasst, die Schnittmengen mit dem Geschäftsbereich ihrer Ministerin hat, sollte man lieber Klarheit schaffen.
      Übrigens war Frau Waldeck schon mal in der Diskussion, ob sie wirklich Privates streng vom Dienstlichen trennt:
      https://www.tagesspiegel.de/politik/familienministerin-wirbel-um-mitverfasserin-des-schroeder-buches/6528746.html

      Antworten
      • Thomas sagt:
        9. Juli 2020 um 21:55 Uhr

        Auf diesen Hinweis hab’ich gewartet…

        Antworten

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